Bonn (DMK) – Das Deutsche Maiskomitee e.V. (DMK) hat eine Umfrage unter den Länderdienststellen durchgeführt, um ein umfassendes Bild der diesjährigen Maisernte sowie des Anbaujahr 2026 zu zeichnen. Die Ergebnisse zeigen ein von extremer Sommertrockenheit und Hitze geprägtes Maisjahr, das zu teils deutlichen Ertragseinbußen, Frühreifen und Umwidmungen von Körner- zu Silomais geführt hat, wenngleich sich regional und je nach Bodenbeschaffenheit erhebliche Unterschiede abzeichnen.
Norddeutschland: Wechselhaftes Bild mit lokal überraschenden Spitzenerträgen
Im Norden wurden in diesem Jahr sowohl überraschend Spitzenerträge beim Silomais eingefahren als auch schwächere Hektarerträge als in den Vorjahren. Trat im Juli Trocken- und Hitzestress zur Blüte der Maispflanzen auf, waren die Pollenschüttung sowie das Erscheinen der Narbenfäden beeinträchtigt, wodurch die Bestäubung gestört und die Kornbildung am Kolben insbesondere auf leichten Ackerflächen zu kolbenlosen Beständen führte. Anhaltende trockene Hitze im August schürte zusätzlich die Befürchtungen, dass die zum Teil sehr groß gewachsenen Maispflanzen vertrocknen und die Kolbenentwicklung entsprechend leidet. Auftretende Niederschläge Ende August führten jedoch überwiegend zu einem Durchgrünen der Bestände und einer ordentlichen Abreife von Restpflanze und Kolben, sofern die Befruchtung erfolgreich war. Mitte September startete die Silomaisernte und war Mitte Oktober fast abgeschlossen, wobei ergiebige Niederschlagsmengen am zweiten Oktoberwochenende das Ende der Ernte noch etwas gegen Ende des Monats schoben. Die teilweise hohen Erntemengen beim Silomais führten zu deren Umwidmung zu Körnermais, deren Ernte Mitte Oktober verhalten anlief.
Ostdeutschland: Hohe Heterogenität und deutlicher Futterdruck
In den östlichen Bundesländern präsentierte sich die Situation insgesamt ausgeglichener. Mecklenburg-Vorpommern war von den problematischen Beständen überwiegend nicht betroffen, sodass hier ein optimistisches Ertrags- und Qualitätsniveau vorherrscht, wenngleich im südlichen Teil des Landes das Ertragsniveau und der Stärkegehalt voraussichtlich stark abfallen werden.
Süddeutschland: Massiver Hitzestress und erhebliche Ertragseinbußen
In den südlichen Regionen war das Maisjahr von extremer Hitze und Trockenheit geprägt. In West-Ober- und Mittelfranken fiel die Ernte weit unterdurchschnittlich aus, wobei beim Silomais Verluste von 30 bis 40 % und beim Körnermais in West-Oberfranken etwa 30 % oder mehr verzeichnet wurden. Der Zweitfrucht-Mais erfuhr in Mittelfranken oft Totalverluste und Körnermais wurde meist als Silomais genutzt. Unterfranken litt unter einem Niederschlagsdefizit von fast 160 mm im Vegetationszeitraum, weshalb die Erträge unter dem langjährigen Durchschnitt lagen; in sehr trockenen Lagen waren die Erträge gut 40 % geringer. Spät gesäte Flächen bildeten keine Kolben, während der Rest Frankens im Durchschnitt etwa 30 % vom Mittelwert abwich. In Ost-Oberfranken im Fichtelgebirge sowie im Frankenwald begann die Ernte meist erst Mitte September und dauerte bis Anfang Oktober an, wobei hier meist durchschnittliche bis sogar gute Erträge verzeichnet wurden. In der Oberpfalz war das Maisjahr ebenfalls von Hitze und Trockenheit geprägt, was zu Mindererträgen beim Silomais von durchschnittlich 30 % führte. In der Folge wurde etwa ein Drittel des Körnermaises wegen Futterknappheit zu Silo- oder Biogasmais umgewidmet. In Niederbayern ist die Silomaisernte ebenfalls abgeschlossen, wobei Ertragseinbußen von 70 % bis hin zum Totalausfall auftraten. In Schwaben und Oberbayern West lagen die Schätzungen bei durchschnittlich rund 30 % weniger Ertrag.
In Gesamtbayern zeigte sich deutlich, dass insbesondere die Witterung während der Blüte und Befruchtung entscheidend war, weshalb Wassermangel in dieser Phase unmittelbar auf die Kornzahl drückte.
In Baden-Württemberg stoppte anhaltende Hitze und Trockenheit die zunächst vielversprechende Entwicklung ab Mitte Juni abrupt, sodass die Silomaisernte bereits in der zweiten Augustwoche und die Körnermaisernte Anfang September begann. Die Silomaiserträge lagen im Durchschnitt unter 30 t/ha, der Körnermaisertrag im Schnitt bei 6 bis 7 t/ha bei gleichzeitig niedrigen Erntefeuchten unter 15 %, geringen Mykotoxinwerten, aber lokal starkem Befall mit dem Maiswurzelbohrer und sich ausbreitendem Stechapfel.
Westdeutschland: Enttäuschende Erträge und niedrige Erntefeuchten
In Nordrhein-Westfalen ist die Maisernte 2026 in weiten Teilen abgeschlossen, wobei Mitte Oktober noch letzte Bestände von Körnermais und spät gesäter, kaum erntewürdiger Zweitfruchtmais zur Silonutzung standen. Auf leichten Böden im Münsterland und am Niederrhein war infolge der Trockenheit schlecht bekörnter oder kolbenloser Mais zu finden, weshalb Körnermaisbestände teils zur Schließung von Futter- und Substratlücken gehäckselt wurden. Im Gegensatz dazu präsentierten sich die Bestände in Ostwestfalen, am Hellweg und in den Höhenlagen besser. Ertraglich enttäuschte der Mais in NRW auf breiter Front, wobei die Erträge im Landesmittel um 25 bis 30 % niedriger ausfielen als in den Vorjahren 2024 und 2025. Während Silomais teilweise mit überhöhten Trockenmassegehalten eingebracht wurde, wies Körnermais historisch niedrige Kornfeuchten von unter 20 % auf. Als Besonderheit trat zudem ein massiver Befall mit dem Maiszünsler mit Befallsgraden von 60 bis 70 % in den südöstlichen Landesteilen auf. In Rheinland-Pfalz stoppte die Sommertrockenheit ebenfalls die frühe Entwicklung, was zu ähnlichen Erntebedingungen und niedrigen Feuchtegehalten beim Körnermais führte. In Hessen kam die Trockenheit in der empfindlichen Phase der Blüte und Kornfüllung, sodass insbesondere in Süd-, Mittel- und Nordhessen auf leichten Standorten, Südhängen und dürregeschädigten Flächen nur unterdurchschnittliche Erträge, geringe Stärkegehalte und teils kolbenloser Mais geerntet wurden. Auch hier mussten einige Körnermaisbestände als Silomais genutzt werden.
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